Strommast und Stromleitungen, großflächige PV-Anlagen und zwei Windräder auf einer Rasenfläche. Die Sonne scheint im Hintergrund sind einige Wolken.

Dunkelflaute: Warum Flensburg auch bei einer wetterbedingten Erzeugungslücke zuverlässig mit Energie versorgt wird

Dunkelflaute erklärt

So sichern die Stadtwerke Flensburg die Versorgung und meistern die Herausforderung der Energiewende auch ohne Wind und Sonne:

Was bedeutet eine Dunkelflaute für die Energiewende? Erfahren Sie, wie Wärmespeicher, Großwärmepumpen, Fernwärme und flexible Erzeugungsanlagen in Flensburg Versorgungssicherheit und Klimaschutz verbinden.

Solarzellen einer Photovoltaikanlage im Sonnenschein, davor hängen grüne Blätter.

Wenn die Energiewende stillzustehen scheint

Die Energiewende verändert die Art, wie wir Energie erzeugen und nutzen. Windkraftanlagen und Photovoltaik liefern bereits heute mehr als 50 % des Stroms in Deutschland. Doch immer wieder taucht die Frage auf:

Was passiert eigentlich, wenn weder Sonne scheint noch der Wind weht?

Genau diese Situation beschreibt der Begriff Dunkelflaute. Gemeint sind die Wetterlagen, in denen die Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen gleichzeitig über einen längeren Zeitraum geringer ausfällt oder gar nichts produziert wird. Besonders häufig treten solche Phasen als sogenannte kalte Dunkelflaute in den Wintermonaten auf. Also dann, wenn der Bedarf an Strom und Wärme besonders hoch ist.

Für manche gilt die wetterbedingte Erzeugungslücke als Belastungsprobe für die Energiewende. Tatsächlich zeigt sich vor allem, worauf es künftig ankommt: Auf ein modernes Energiesystem, das erneuerbare Energien intelligent mit Speichertechnologien, flexiblen Anlagen und einer leistungsfähigen Infrastruktur verbindet.

Die Diskussion über Dunkelflauten zeigt, dass die Energiewende heute nicht mehr nur eine Frage der Erzeugung ist. Entscheidend ist, wie intelligent wir Energie speichern, vernetzen und flexibel bereitstellen können. Genau dafür investieren wir seit Jahren in den Umbau unserer Wärmeversorgung.

Portrait von Tom Trittin. Er trägt ein weißes Hemd und lächelt. Dr. Tom Trittin, Verantwortlicher Wärmewende und regenerative Energie

Die entscheidende Frage: Wie überbrücken wir die Stromlücke?

Dunkelflauten sind kein neues Wetterphänomen. Sie gehören seit jeher zu unserem Klima. Neu ist lediglich die Bedeutung, die sie im Zuge der Energiewende erhalten haben. Denn während konventionelle Kraftwerke ihre Leistung weitgehend unabhängig vom Wetter bereitstellen konnten, basiert die Energieversorgung der Zukunft zunehmend auf erneuerbaren Quellen.

 

Ein großes, weißes Windrad steht zentral in einem blühenden, gelben Rapsfeld unter einem blauen Himmel, im Hintergrund sind weitere Windkraftanlagen zu sehen.

Wie schaffen wir es, Energie dann bereitzustellen, wenn sie gebraucht wird?

Die Antwort darauf besteht nicht aus einer einzelnen Technologie. Sie liegt im Zusammenspiel verschiedener Lösungen, die sich gegenseitig ergänzen und absichern. Genau dieses Zusammenspiel entsteht derzeit Schritt für Schritt in Flensburg.

Die Säulen der Versorgungssicherheit in Flensburg

1. Fernwärme: Ein entscheidender Vorteil für die Wärmewende

Wenn über die Energiewende gesprochen wird, stehen häufig Windräder, Solaranlagen oder Elektroautos im Mittelpunkt. Weniger sichtbar, aber mindestens genauso wichtig, sind die Infrastrukturen im Hintergrund.

Flensburg verfügt hier über einen besonderen Vorteil – ein leistungsfähiges Fernwärmenetz.

Über dieses Netz werden große Teile der Stadt zuverlässig mit Wärme versorgt. Die Wärme wird zentral erzeugt und über ein weit verzweigtes Leitungsnetz zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert.

Das eröffnet Möglichkeiten, die bei einzelnen Heizungsanlagen kaum umsetzbar wären.

  • Neue Technologien können zentral integriert werden und kommen sofort vielen tausend Haushalten zugute.
  • Gleichzeitig lassen sich unterschiedliche Wärmequellen miteinander kombinieren und flexibel steuern.

Damit bildet die Fernwärme das Fundament für die weitere Transformation der Wärmeversorgung.

2. Wärmespeicher: Energie dann nutzen, wenn sie gebraucht wird

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein klimaneutrales Energiesystem ist die Fähigkeit, Energieverbräuche zeitlich zu verschieben.

Denn Wind und Sonne halten sich nicht an Verbrauchsprofile. An manchen Tagen steht mehr Energie zur Verfügung als benötigt wird. An anderen Tagen ist es genau umgekehrt. Hier kommen die Wärmespeicher der Stadtwerke Flensburg ins Spiel.

Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll:

  • Wärme wird mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, wenn dieser besonders effizient oder kostengünstig verfügbar ist (Power-to-Heat).
  • Diese Energie wird anschließend in Form von heißem Wasser gespeichert. Ähnlich einer riesigen Thermoskanne, die ganze Stadtteile versorgen kann.
  • Bei Bedarf, wie etwa während einer Flautephase, wird diese zwischengelagerte Wärme später wieder in das Fernwärmenetz eingespeist.

Dadurch entsteht ein wichtiger Puffer zwischen Energieerzeugung und Energieverbrauch und eine Kopplung der Sektoren Strom und Wärme.

3. Die Großwärmepumpe: Erneuerbare Wärme aus der Flensburger Förde

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung entsteht direkt an der Flensburger Förde.

Mit der geplanten Großwärmepumpe erschließen die Stadtwerke Flensburg eine erneuerbare Wärmequelle, die direkt vor unserer Haustür liegt.

Selbst bei niedrigen Außentemperaturen enthält das Wasser der Förde große Mengen nutzbarer Umweltwärme. Die Großwärmepumpe macht diese Energie für die Fernwärmeversorgung nutzbar.

Die Anlage basiert auf einem bewährten technischen Verfahren, um die im Fördewasser enthaltene Umweltwärme für die Fernwärmeversorgung nutzbar zu machen. Dabei arbeitet sie in einer Größenordnung, die auf die Versorgung einer ganzen Region ausgelegt ist.

Mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien wird die im Fördewasser enthaltene Wärme auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und anschließend in das Fernwärmenetz eingespeist.

Besonders wirkungsvoll wird dieses System dann, wenn viel Strom aus erneuerbaren Energien verfügbar ist. Statt überschüssige Energie ungenutzt zu lassen bzw. abzuregeln, kann sie direkt in klimafreundliche Wärme umgewandelt werden.

Gemeinsam mit den Wärmespeichern entsteht so ein System, das erneuerbare Energie flexibel einsetzbar macht und die Wärmeversorgung unabhängig vor fossilen Energieträgern werden lässt.

Die Großwärmepumpe wird künftig Umweltwärme aus der Flensburger Förde nutzbar machen. Damit erschließen wir eine erneuerbare Energiequelle direkt vor unserer Haustür und machen einen weiteren wichtigen Schritt auf unserem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung.

Portrait von Tom Trittin. Er trägt ein weißes Hemd und lächelt. Dr. Tom Trittin, Verantwortlicher Wärmewende und regenerative Energie

4. Flexible Erzeugungsanlagen bleiben ein wichtiger Baustein

Die Energiewende bedeutet nicht, bestehende Technologien von heute auf morgen zu ersetzen. Um die Versorgungssicherheit auch während einer langanhaltenden Dunkelflaute zu garantieren, sind flexible Erzeugungsanlagen weiter unverzichtbar. Sie können einspringen, wenn erneuerbare Energien zeitweise weniger Energie liefern und sorgen gleichzeitig für Stabilität im Gesamtsystem.

Für die Stadtwerke Flensburg bedeutet Versorgungssicherheit dabei weit mehr als die Bereitstellung von Strom und Wärme. Sie bedeutet Verlässlichkeit - jeden Tag, zu jeder Jahreszeit und unabhängig von den Wetterbedingungen.

Sektorenkopplung: Warum das Zusammenspiel den Unterschied macht

Die Energiewende wird häufig auf einzelne Technologien reduziert. Mal steht Wasserstoff im Fokus, mal die Wärmepumpe, mal Batteriespeicher. In Wirklichkeit entsteht Versorgungssicherheit jedoch erst durch das intelligente Zusammenspiel verschiedener Lösungen: Stichwort Sektorenkopplung.

In Flensburg greifen diese Bausteine künftig ineinander:

  • Die Fernwärme verbindet Erzeugung und Verbrauch.
  • Die Großwärmepumpe nutzt erneuerbare Umweltwärme aus der Förde und Strom aus Erneuerbaren.
  • Wärmespeicher schaffen zeitliche Flexibilität.
  • Flexible Erzeugungsanlagen sichern die Versorgung in besonderen Situationen.
  • Erneuerbare Energien bilden die Grundlage für eine klimaneutrale Zukunft.
  • Durch die Versorgung von rund 90 % aller Flensburger Haushalte mit Fernwärme führt die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung im Flensburger Heizkraftwerk zu einer weitgehenden Dekarbonisierung der Stadtregion.

Gemeinsam entsteht daraus ein Energiesystem, das sowohl nachhaltig als auch robust ist.

Fazit: Flensburg baut heute das Energiesystem für morgen

Dunkelflauten werden auch künftig Teil unseres Wetters bleiben. Sie sind kein Gegenargument zur Energiewende, sondern eine Herausforderung, auf die moderne Energiesysteme Antworten geben müssen. Die gute Nachricht ist: Diese Antworten werden bereits heute entwickelt und umgesetzt.

Mit dem konsequenten Ausbau der Fernwärme, dem Einsatz moderner Wärmespeicher, der Nutzung von Umweltwärme aus der Flensburger Förde, Strom aus Erneuerbaren über eine neue 110.000 Volt Stromleitung an das deutsche Stromnetzt und flexiblen Erzeugungskapazitäten schaffen die Stadtwerke Flensburg die Grundlage für eine sichere und zunehmend klimaneutrale Energieversorgung.

Versorgungssicherheit und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Unser Ziel ist es, beides zusammenzubringen. Deshalb bauen wir ein Energiesystem auf, das auch dann zuverlässig funktioniert, wenn Wind und Sonne zeitweise weniger Energie liefern.

Portrait von Tom Trittin. Er trägt ein weißes Hemd und lächelt. Dr. Tom Trittin, Verantwortlicher Wärmewende und regenerative Energie

Denn die Energieversorgung von morgen muss nicht nur an sonnigen und windreichen Tagen funktionieren. Sie muss gerade dann verlässlich sein, wenn Wind und Sonne einmal Pause machen.