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27.08.2020

Der Merit-Order-Effekt

Um eine dauerhafte und sichere Energieversorgung von Unternehmen und Haushalten zu gewährleisten, wird Strom in Deutschland durch produzierende Kraftwerke bereitgestellt. Welches Kraftwerk dabei als erstes seinen Strom ins Netz einspeisen darf, legt die sogenannte Einsatzreihenfolge fest.

Diese wird an der Strombörse durch den Preis bestimmt, den die einzelnen Kraftwerksbetreiber für ihre Stromerzeugung verlangen. Um eine wirtschaftlich optimale Stromversorgung darzustellen, beginnt die Einsatzreihenfolge mit dem Kraftwerk, das den niedrigsten Preis bietet. Danach werden in aufsteigender Reihenfolge so viele Stromerzeugungsanlagen ausgewählt, bis der Strombedarf komplett gedeckt ist. Den Strompreis bestimmt letztendlich das letzte bzw. teuerste Kraftwerk in der Einsatzreihenfolge, das für die Stromversorgung benötigt wird. Diesen sogenannten „Market-Clearing-Price“ erhalten dann alle Kraftwerke, die an der Strombereitstellung beteiligt sind. Der Strompreis wird dabei an der Strombörse für jede einzelne Stunde des Folgetages (Day-Ahead-Markt) bestimmt. Diese preisorientierte Einsatzreihenfolge wird als „Merit-Order“ bezeichnet.

Abb. 1: Börsenstrompreisbildung, Quelle: Stadtwerke Flensburg GmbH

 

Der Merit-Order-Effekt

Erneuerbare Energien (Photovoltaik, Windenergie, Biomasse) haben aufgrund der EEG-Förderung niedrigere Stromproduktionskosten als konventionelle Kraftwerke. Sie dürfen ihre Stromproduktion laut Gesetz vorrangig einspeisen. Durch die erneuerbaren Energien werden an sonnen- und windreichen Tagen die teureren, konventionellen Erzeugungsanlagen darum teilweise nicht mehr für die Bereitstellung des Strombedarfs benötigt. Kraftwerke mit höheren Kosten werden dadurch aus der Merit-Order verdrängt und durch günstigere Stromproduktionsanlagen aus erneuerbaren Energien ersetzt. Die Verdrängung teurer Kraftwerke und der dadurch einsetzende, positive Preiseffekt wird unter dem Begriff „Merit-Order-Effekt“ zusammengefasst.

Strompreis an der Strombörse
  • Grenzkosten

    Mit Hilfe der Grenzkosten berechnen Unternehmer die optimale Menge eines Produktes. Es handelt sich hierbei um Kosten, die entstehen, wenn von einem Produkt eine Einheit mehr produziert wird.

Abb. 2: Merit-Order-Effekt, Quelle: Stadtwerke Flensburg GmbH

Abbildung 2 zeigt bespielhaft die Einsatzreihenfolge mit erneuerbaren Energien, die aufgrund ihrer niedrigen Produktionskosten an erster Stelle der Einsatzreihenfolge stehen. Dadurch werden im Vergleich zu Abbildung 1 die Gasturbinenkraftwerke mit den höchsten Kosten nicht mehr für die Stromversorgung benötigt. Der Market-Clearing-Price wird hier stattdessen durch die günstigeren Gas- und Dampfturbinenkraftwerke bestimmt. Mit der Verdrängung der teureren Gasturbinenkraftwerke durch erneuerbare Energien verringert sich der Market-Clearing-Price und führt somit zum positiven Merit-Order-Effekt.

Balkendiagramm über den Merit-order-Börsenstrompreisbildung.
  • Artur Scheiermann, Kraftwerkseinsatzplaner

    Über den Autor

    • Studium: Energie- und Umweltmanagement
    • Abschluss: Master of Engineering
    • Kraftwerkseinsatzplanung
    • Energiemanagement

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