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FAQ

Häufig gestellte Fragen

Grundlegendes

Warum haben die Stadtwerke Flensburg eine neue Erzeugungs-Anlage gebaut?

Zwei Kessel im Kraftwerk hatten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und mussten durch neue Anlagen ersetzt werden. Ein weiterer Kessel konnte aus genehmigungstechnischen Gründen nicht mehr mit „schwerem Heizöl“ betrieben werden und wurde auf Erdgas-/Heizölbetrieb umgestellt. Die Anlagen- und Steuerungstechnik wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht sowie einige Anlagenteile modernisiert.

Was passierte zusätzlich zum Anlagenneubau?

  • Der Kessel 5 wurde automatisiert und auf Erdgas-/Heizölbetrieb umgebaut
  • Ein Reserveheizwerk wurde automatisiert, damit es auch als Spitzenlastheizwerk eingesetzt werden kann.
  • Drei moderne Wirbelschichtkessel 9 – 11 wurden automatisiert.
  • Die Kessel 7 + 8 wurden demontiert.
  • Die gesamte Anlagen- und Steuerungstechnik wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht.
  • Der Wirkungsgrad des Kraftwerks wurde über verschiedene Einzelmaßnahmen erhöht.
  • Kessel 6 und Turbine 5 wurden demontiert.

Welche Meilensteine gab es?

In der Aufsichtsratssitzung vom 4. Mai 2011 hat der Aufsichtsrat die Investition in Höhe von 128 Millionen Euro für das Projekt Kessel 12 grundsätzlich frei gegeben.

Die Genehmigungsphase wurde durch die endgültige Freigabe des Aufsichtsrats Ende des Jahres 2012 abgeschlossen. Die Auftragsvergaben erfolgten im 1. Quartal 2013.

 2016 wurde die Anlage fertig gestellt, abgenommen und in Betrieb gesetzt.

Bisher gab es in Flensburg nur Fernwärme. Warum wird jetzt Erdgas eingesetzt?

Der Einsatz von Erdgas bietet einige Vorteile:

  • Die sehr flexible Stromproduktion ermöglicht eine umgehende Reaktion auf die Strommarktnachfrage.
  • Teilnahme am Strommarkt für vergleichsweise hochpreisige Spot- oder Regelmarktenergie; erwirtschaften zusätzlicher Umsätze und Erlöse
  • Hoher elektrischer Wirkungsgrad
  • Reduzierung der CO2-Emissionen um 40 %, im Vergleich zu Kohle bei gleicher Erzeugungsleistung.
  • Reduzierung weiterer, ohnehin schon sehr niedrigen anderen Emissionen (Staub, Schwefeldioxid).
  • Geringere spezifische Investitionen.
  • Wirtschaftliche und gesicherte Brennstoffversorgung im Vergleich zu Holz, Kohle und EBS durch den Einsatz eines vierten Brennstoffes, Erdgas. Gleichzeitig steigt die Flexibilität.

 

 

Erdgas allgemein

Wie viel Erdgas wird ab dem Jahr 2016 verbrannt/benötigt?

Derzeit ist davon auszugehen, dass ab dem Jahr 2016 für die KWK-Anlage und Kessel 5 (Spitzenlastkessel) ein Gasverbrauch von ca. 80-100 Mio. Nm³ (Normkubikmeter) angesetzt werden kann. 

Wie viele Tonnen Kohle werden dadurch ersetzt?

Durch den Kesselneubau werden ca. 85.000 Tonnen Steinkohle ersetzt, bei einer um ca. 50 % höheren Stromproduktion.

Besteht Explosionsgefahr durch das Erdgas? Ist Erdgas sicher?

Die großen Transportleitungen für Erdgas sind erfahrungsgemäß sicher. Sie werden schon seit Jahren in Deutschland mit einer äußerst geringen Störanfälligkeit genutzt. Untersuchungen aus den USA bestätigen, dass es sich beim Pipelinetransport um das sicherste Transportmedium überhaupt handelt.

Wo kommt das Erdgas her?

Das in Deutschland eingesetzte Erdgas stammt aus verschiedenen Herkunftsländern:

  • Russland: 35 %
  • Norwegen: 31 %
  • Niederlande: 19 %
  • BRD: 11 %
  • Sonstige: 4 %

Macht man sich bei der Erdgasbelieferung nicht von wenigen Lieferanten abhängig?

Es existieren mehrere Lieferanten, die die Stadtwerke Flensburg beliefern können. Alle Lieferungen werden über Verträge abgesichert. Die Lieferkapazitäten werden mit den Erdgasnetzbetreibern geklärt. 

Unabhängig vom Erdgas können die Stadtwerke Flensburg auf andere Brennstoffe ausweichen und werden durch den zusätzlichen Brennstoff „Erdgas“ flexibler in der Brennstoffauswahl.

Wie sieht es mit den Lager- und Lieferkapazitäten für Erdgas aus?

Es wird kein Erdgas gelagert. Als kleiner Puffer kann die (ca. 12 km lange) Erdgasleitung dienen. Lieferengpässe sind nach gegenwärtigem Stand nicht zu erwarten. Die weltweiten Reserven für Erdgas halten je nach Bewertung und heutigem Stand mehr als 60 Jahre.

Sind kurzfristige Lieferengpässe (z.B. Winter) berücksichtigt worden, vor allem bei Erdgas?

Es besteht kein Risiko. In Extremsituationen kann für Verbrauchsspitzen theoretisch Heizöl eingesetzt werden, wenn dies wirtschaftlich sinnvoll erscheint.

Welches Gas wird eingesetzt?

Es wird ausschließlich reines Erdgas zum Einsatz kommen (annähernd 100 % Methan = Ch3).

Setzen die Stadtwerke Biogas ein? (Biogas = ca. 54 % Methan-Gehalt)

Als Biogas wird Gas bezeichnet, welches nicht fossilen Ursprungs ist, sondern aus biogenen Stoffen erzeugt wurde. Nach gegenwärtigem Stand ist der Einsatz nicht geplant.

Setzten die Stadtwerke Bio-Methan ein? (Bio-Methan = ca. 94 % Methan-Gehalt)

Nein, nach gegenwärtigem Stand nicht. Die Anlage ist auf den Einsatz von Erdgas geplant, ausgelegt und kalkuliert. Als Biomethan wird Gas mit ca. 94 % Methangehalt bezeichnet, das aus Biogas hergestellt und in des Erdgasnetz gespeist wird.

Ließe sich genug Biogas in das Erdgasnetz einspeisen, um die Vorgaben von greenco2ncept realistisch umzusetzen?

Die neue Anlage ist auf den Einsatz von Erdgas geplant, ausgelegt und kalkuliert. Wenn greenco2ncept im Jahr 2050 greift, ist die neue Anlage 34 Jahre alt und muss ersetzt werden. Wie sich der Markt für Biomethan bis dahin entwickelt, muss sich zeigen.

Erdgasleitung: Allgemeine Fragen

Musste eine neue Erdgasleitung gebaut werden?

Ja, das war notwendig.

Welche Länge hat die Leitung?

Die Leitung hat eine Länge von etwa 12 Kilometern.

Musste dafür gegraben werden?

Zur Verlegung der Pipeline war ein Verlegegraben notwendig. Die Oberflächen wurden sowohl im Stadtbereich als auch im Freiland wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Wie viel hat die Gasleitung gekostet?

Die Erdgasanbindung Ellund-Flensburg ist Teil des Ausbau- und Innovationsprogramms der Stadtwerke Flensburg für eine umweltschonendere Energieversorgung. Die Kosten für die Erdgasanbindung liegen bei rund 10 Millionen Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten für alle Aktivitäten, die im gesamten Projekt Kessel 12 zusammen gefasst sind, auf 128 Millionen Euro.

Wie war der Zeitplan?

2016 sollte der neue Kessel 12 im modernisierten Technikumfeld im Kraftwerk der Stadtwerke in Betrieb gehen - die Inbetriebsetzung erfolgte im April 2016. Dafür wurde im Jahr 2014 die Erdgasanbindungsleitung verlegt.

Warum gab es kein Raumordnungsverfahren?

Laut Schreiben des Landesinnenministeriums ist die Trassenführung der Erdgasanbindungsleitung geeignet. Ein zusätzliches Raumordnungsverfahren ist hierfür nicht notwendig.

Warum gab es keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)?

Die Vorprüfung der Unterlagen durch die Planfeststellungsunterlage hat ergeben, dass erhebliche nachteilige Umwelteinwirkungen durch das Vorhaben nicht zu erwarten sind. Die zuständigen Behörden halten die nähere Untersuchung anderer Varianten für die Erdgasanbindungsleitung als die geplante Trassenführung nicht für erforderlich. Daher hat die zuständige Behörde (Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr) entschieden, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht durchzuführen ist.

Wie lauten die technischen Eckdaten der Pipeline?

  • Anbindung an überregionales Erdgasnetz: ab Ellund
  • Länge: 12 Kilometer
  • Durchmesser: DN 300 (Außendruchmesser = 324 mm)
  • Auslegungsdruck: 84 bar
  • Fertigstellung: 2014
  • Bauart: 6,3 mm Wanddicke, Werkstoff: Spezialstahl für Erdgasleitungen

 

 

Erdgasleitung: Fragen zur Sicherheit

Wie sicher ist die Pipeline?

Die Pipeline ist sicher. Sie wurde nach deutschem Regelwerk gebaut und unterliegt deutschen Sicherheitsstandards. In Deutschland sind über 400.000 Kilometer vergleichbarer Leitungen seit Jahrzehnten ohne Probleme im Einsatz.

Besteht Explosionsgefahr?

Nein. Eine Explosionsgefahr besteht nicht (siehe auch Punkt „Sicherheitsmaßnahmen“). Zur Erhöhung der Sicherheitsstandards verbauten die Stadtwerke Flensburg freiwillig zusätzliche Sicherheits-Maßnahmen (zusätzliches Warn- und Schutzsystem (Geogrid + Trassenwarnband), tiefere Verlegung und doppelte Schweißnahtprüfung).

Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es?

Die Pipeline wurde nach den in Deutschland vorgeschriebenen hohen Sicherheitsrichtlinien gebaut und ist, wie langjährige Erfahrungen mit anderen Leitungen in Deutschland zeigen, sicher. Darüber hinaus haben die Stadtwerke Flensburg zusätzliche Sicherheitsstandards durch drei freiwillige Zusatzmaßnahmen geschaffen:

  • Warn- und Schutzsystem (Geogrid + Trassenwarnband)
  • 50 % tiefere Verlegung der Leitung (1,20 m statt 0,80 m)
  • doppelte Schweißnahtprüfung mit zwei unterschiedlichen Verfahren

Gibt es Sicherheitsventile und Sperrstellen auf der Pipeline?

Die Pipeline verfügt über je eine Absperrmöglichkeit am Anfangs- und Endpunkt.

Besteht ein Risiko im Bereich der Tankstelle?

Nein. Es besteht kein erhöhtes Risiko im Bereich der Tankstelle.

Werden Haushalte direkt an die Druckleitung angeschlossen?

Nein. Ein Anschluss von einzelnen Haushalten an die Erdgasleitung ist nicht geplant.

Kann die Gasleitung bei Wartungsarbeiten beeinträchtigt werden?

Die Leitung ist auch bei Wartungsarbeiten sicher. Neben der Einhaltung der in Deutschland vorgeschriebenen hohen Sicherheitsrichtlinien haben die Stadtwerke zusätzliche Sicherheitsstandards für die Wartungsarbeiten geschaffen:

  • Warn- und Schutzsystem (Geogrid + Trassenwarnband)
  • 50 % tiefere Verlegung der Leitung (1,20 m statt 0,80 m)

Kann es Beeinträchtigungen durch Vibrationen/Infraschall geben?

Nein. Es wird keine Beeinträchtigungen durch Infraschall geben. Die Pipeline wurde nach den in Deutschland vorgeschriebenen hohen Sicherheitsrichtlinien gebaut, die auch Vibrationen und Infraschall berücksichtigen. Die Leitung wurde 50 % tiefer verlegt, als von der Norm gefordert.

Können Panzer die Leitung gefährden?

Nein. Eine Gefährdung durch Schwerlastverkehr ist ausgeschlossen. Schon die laut Regelwerk vorgeschriebene Verlegetiefe ist dafür ausreichend, die Leitung wurde aber zusätzlich um 50 % tiefer verlegt, als gesetzlich gefordert.

Wird der Betrieb der Pipeline überwacht?

Die Pipeline wird nach den vorgesehenen Richtlinien regelmäßig durch Befliegen (monatlich), Befahren (2-wöchentlich) und Begehen überwacht.

Wie stehen Sie zum Gas-Pipeline-Ernstfall?

Die geplante Erdgasanbindungsleitung ist sicher, da sie auf Basis des weitreichenden deutschen Regelwerks gebaut wurde und die Stadtwerke Flensburg zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen eingebaut haben.  

Auf welcher Basis sind die Abstände der Gas-Pipeline zu Wohngebäuden geregelt?

Diese sind im Regelwerk des „Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW)“ festgelegt. Sie gelten für alle Bautätigkeiten in Deutschland im Bereich Gas und Wasser. Alle dort geforderten Abstände bzw. erhöhten Sicherheitsmaßnahmen sind berücksichtigt und wurden beim Bau umgesetzt.

Besteht eine Gefährdung durch die Leitung? Sind Schäden an Häusern und/oder Personen zu erwarten?

Das Gefährdungspotential während der Betriebsphase wird durch laufende Überwachungsmaßnahmen während des Betriebes auf eine Mindestmaß reduziert. Es wird keine Beeinträchtigungen durch Infraschall geben. Die Pipeline wurde nach den in Deutschland vorgeschriebenen hohen Sicherheitsrichtlinien gebaut, die auch Vibrationen und Infraschall berücksichtigen. Darüber hinaus wurde die Leitung 50 % tiefer verlegt, als von der Norm gefordert. Gegen Gasfreisetzung finden aktive und passive Sicherungsmaßnahmen während des Betriebes statt (z.B. passiver Korrosionsschutz, aktive Korrosionsschutzüberwachung, regelmäßige Begehungen/Überfliegen der Leitung). Schäden an Gebäuden sind nicht zu erwarten.

 

 

 

Erdgasleitung: Fragen zur Trassenführung

Wo wurde die neue Erdgasleitung verlegt?

Die Erdgasleitung der Stadtwerke verläuft nördlich von Ellund und Harrislee durch die Nordstadt Flensburgs bis zum Heizkraftwerk an der Flensburger Förde.

Warum wurde die Pipeline nicht durch den Wald im Bereich Ostseebad verlegt?

Eine Trassenführung durch das Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet wurde sorgfältig von erfahrenen Ingenieurbüros vorgeprüft. Diese Vorprüfung hat eindeutig ergeben, dass eine Verlegung durch den Wald nicht genehmigungsfähig war. Die Strecke durch das FFH Gebiet ist zwar länger, durch die Verlegung in nicht bebautem Gebiet war diese jedoch spezifisch günstiger, als die Verlegung der kürzeren Strecke durch die Stadt, so dass die Gesamtkosten beider Strecken vergleichbar waren. Die Kosten waren kein Kriterium zur Entscheidung für einen bestimmten Trassenverlauf, da beide Varianten annähernd gleich teuer waren.

Gegen die Trasse durch das FFH-Gebiet sprachen andere Gründe:

  • Dieses Gebiet ist rechtlich ein Gebiet mit Sonderschutzstatus (FFH), bei dem Eingriffe nicht gestattet sind, sofern Alternativen dazu existieren.
  • Die Vorprüfung konnte eine Erheblichkeit des Eingriffs nicht ausschließen. Eine Erheblichkeit liegt vor, wenn ein im Schutzzweck für das Gebiet aufgeführter Lebensraumtyp oder eine auf-geführte Art erheblich beeinträchtigt werden kann.
    • Flächenverluste für den Lebensraumtyp 9030, den Waldmeister-Buchenwald
    • erhebliche Beeinträchtigung des Kammmolchs, insbesondere während der Bauzeit
  • Die notwendigen Wiederaufforstungsflächen stehen nicht zur Verfügung.
  • Die Trasse entlang der Hanglage am Küstenstreifen ist aufgrund der bekannten Hangbrüche in diesem Bereich technisch sehr aufwändig
  • Die geplante Trassenführung war rechtlich explizit gestattet, da sie dem gültigen technischen Regelwerk entspricht.

Sollte mit der Strecke durch die Wohngebiete statt durch den Wald Geld gespart werden?

Die Kosten stellten kein Entscheidungskriterium dar, denn die Streckenführung durch die Wohngebiete war nicht günstiger als durch den Wald.

Warum geht die Pipeline nicht durch die Ostsee?

Eine Streckenführung durch die Flensburger Förde ist aufgrund der spezifischen Bedingungen (Hafen, Schifffahrt, Werft) nicht genehmigungsfähig. Darüber hinaus ist die Flensburger Förde in Teilen ebenfalls als FFH-Gebiet eingestuft. Auch bei seeseitiger Anbindung wäre eine Streckenführung durch den Wald ebenfalls notwendig.

Warum geht die Pipeline nicht komplett durch einen Tunnel?

Dafür besteht keine Veranlassung. Die Leitung wurde mit hohem Sicherheitsstandard gebaut und ist sicher. Ein Tunnel wäre technisch extrem aufwändig gewesen und hätte die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts in Frage gestellt.

Ist der Mensch weniger Wert, als die Pflanzen und Tiere?

Alle Interessen der an der Leitung wohnenden Landwirte und Anwohner wurden bei der Planung berücksichtigt. Zusätzliche freiwillige Zusatzleistungen der Stadtwerke Flensburg, die im Dialog mit den Anwohnern entwickelt wurden, flossen ebenfalls in den Bau ein.

Durch eine vorausschauende Bauplanung und Baudurchführung haben die Stadtwerke die Beeinträchtigungen für die Bürger so gering wie möglich gehalten.

Warum ist die geplante Trassenführung optimal?

Bei der Prüfung auf ein Raumordnungsverfahren gab das Land Schleswig-Holstein bereits im Vorfeld sein Einverständnis für die geplante Trassenführung. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung wäre aus Landessicht nicht notwendig gewesen. Dies bedeutet, dass die Stadtwerke Flensburg keine Alternativen hätten untersuchen müssen, da die beantragte Variante eine passende Lösung darstellte. Unabhängig davon haben die Stadtwerke Flensburg trotzdem andere Varianten geprüft, mit dem Ergebnis, dass diese nicht genehmigungsfähig gewesen wären.

Im Rahmen der Vorabstimmung haben auch alle betroffenen Gebietskörperschaften (Gemeinden Harrislee und Handewitt, Stadt Flensburg und Kreis Schleswig-Flensburg) ihre Zustimmung gegeben. Die breite Unterstützung und Bewilligung aller beteiligten öffentlichen und genehmigungs-rechtlichen Stellen bestätigte die Trassenwahl.

Warum gibt es bereits Leitungen im Wald/FFH-Gebiet?

Die Stadt Flensburg bezieht ca. 50 % ihres Trinkwassers aus Tiefbrunnen in diesem Gebiet. Diese wurden vor Einrichtung des FFH-Gebietes genehmigt und errichtet. Der Neubau von Trinkwasserbrunnen ist hier langfristig genehmigt und für die notwendigen Leitungen sind spezielle Korridore (in der Regel Waldwege) vorgesehen.

Was passiert nach Nutzung der Pipeline?

Die Pipeline wird voraussichtlich über 40 Jahre im Einsatz sein. Danach kann die Leitung entfernt oder im Boden belassen und bei Bedarf für andere Zwecke (z.B. als Leerrohr für Telekommunikationsleitungen) weiter genutzt werden.

Kann die Erdgasleitung zu Wertminderungen an Wohngebäuden führen?

Da es sich um eine in unserer modernen Zivilisationsgesellschaft vollkommen übliche Gashochdruckleitung handelt, die es so auch in vielen anderen deutschen Städten gibt, handelt es sich bei der Erdgasleitung, genauso wie bei Fernwärme-, Wasser- und Stromleitungen, um einen Teil der üblichen Infrastruktur zur Versorgung der Bürger mit Energie. Daher hat dieses unserer Kenntnis nach keinen Einfluss auf die Werthaltigkeit von Wohngebäuden.

Mitarbeiter

Fallen Arbeitsplätze weg?

Die Integration einer neuen Leittechnik  mit Automatisierung und der Anlageneubau führen zu einem geringeren Personalbedarf in einigen technischen Bereichen.

Mit Erdgas betriebene Anlagen sind technisch einfacher und erfordern weniger Instandhaltungsaufwand als kohlebetriebene Kessel. Der Bekohlungsaufwand selbst wird sich durch den Wegfall von Kessel 7 und Kessel 8 ebenfalls verringern.

Wie viele Arbeitsplätze fallen weg?

Insgesamt ist davon auszugehen, dass langfristig zumindest 50 von rund 670 Arbeitsplätzen wegfallen. Das wird aber nicht von heute auf morgen der Fall sein, sondern in einem kontinuierlichen Prozess erfolgen. So scheiden Arbeitnehmer bei Erreichen des Rentenalters aus und durch natürliche Fluktuation reduziert sich ebenfalls die Mitarbeiteranzahl.

Wird es Kündigungen geben?

Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Ein großer Teil des Arbeitsplatzwegfalls kann dadurch geregelt werden, dass Arbeitsplätze von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, nicht nachbesetzt werden.

Technik

Für welche Variante haben wir uns entschieden?

Nach sorgfältiger Prüfung verschiedener Varianten haben sich die Stadtwerke Flensburg für eine moderne, umweltschonende Gas- und Dampfturbinenanlage entschieden (GuD).

Was bedeutet GuD?

GuD = Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk oder Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk = Kombination von Gasturbinenkraftwerk und Dampfkraftwerk. Eine Gasturbine sitzt mit einem Stromgenerator auf einer Welle und erlaubt somit die Erzeugung von Strom während ihres Betriebs. Erst dann kann Dampf über einen Abhitzekessel erzeugt werden, der eine Dampfturbine zur Stromerzeugung betreibt.

Produziert die neue Anlage auch in Kraft-Wärme-Kopplung?

Ja, die Anlage ist als KWK-Anlage konzipiert und passt hervorragend in das bestehende umweltschonende Erzeugungskonzept.

Allerdings kann es in warmen Perioden mit geringem Wärmebedarf und höherer Stromnachfrage zu einer zeitlich begrenzten Entkopplung von Stromproduktion und Wärmeeinspeisung in das Fernwärmenetz kommen. Die zusammen mit dem Strom produzierte Wärme wird dann zuerst dem Wärmespeicher zugeführt und erst dann abgerufen, wenn sie benötigt wird.

Insgesamt wird die Fernwärmeleistung in KWK reduziert und in absoluten Spitzenzeiten bei sehr kalten Wintern könnte ein Teil der Wärme ausschließlich in Heizkesseln produziert werden.

Ist die neue Anlage auch wärmegeführt wie das Kraftwerk bisher?

Insgesamt bleibt das Kraftwerk wärmegeführt. Da wir am Spot- und Regelmarkt für Strom teilnehmen möchten, kann bei der neuen Anlage die Priorität auch in einer stromgeführten Fahrweise liegen. Der Fernwärmebedarf wird jedoch in jeder Stunde des Jahres vollständig bedient.

Was wurde automatisiert?

  • der Kessel 5 wurde automatisiert
  • ein Reserveheizwerk wurde automatisiert und auf andere Brennstoffe (leichtes Heizöl oder Erdgas) umgestellt, damit es als Spitzenlastheizwerk eingesetzt werden kann.
  • die drei Wirbelschichtkessel 9 – 11 wurden ebenfalls automatisiert
  • die gesamte Anlagen- und Steuerungstechnik wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht

Können in dem neuen Kessel noch andere Brennstoffe eingesetzt werden?

Nein, er ist ausschließlich für den Einsatz von Erdgas ausgelegt.

Warum setzen wir nicht weiter Steinkohle und Ersatzbrennstoffe ein?

Bei EBS (Ersatzbrennstoffen) ist der Einsatz auf Basis unserer Genehmigung auf max. 25 % der Feuerungsleistung begrenzt. Kessel, die ausschließlich mit Steinkohle betrieben werden, weisen relativ lange Reaktionszeiten auf und sind aus diesem Grund nicht so flexibel in der Fahrweise, die in Zukunft aber zur Erzielung eines maximalen Ertrages notwendig werden wird.
Darüber hinaus liegen die CO2-Emissionen von Erdgas um 40 % unter denen von Steinkohle. Ein weiterer Schritt zur Verminderung der CO2-Emissionen.

Wie geht es weiter mit den EBS und den Holzhackschnitzeln?

Wir bleiben weiter ein Heizkraftwerk und keine Müllverbrennungsanlage. Damit ist der Einsatz von EBS auf max. 25 % begrenzt. Hinsichtlich des Einsatzes von Biobrennstoffen werden wir flexibel bleiben und deren Anteil kontinuierlich steigern soweit technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll.

Was kommt danach? Müssen weitere Kessel ersetzt werden?

Aus heutiger Sicht können die bestehenden Wirbelschichtkessel bis in die Jahre 2022 bis 2028 weiter betrieben werden. Eine Ersatzplanung für diese Kessel müsste somit Ende des Jahrzehnts starten.

Welche Vorteile bietet die Teilnahme am Regelenergiemarkt?

Wir gehen davon aus, dass die Menge regenerativ erzeugten Stroms weiter zunimmt. Die stark schwankende Einspeisung von erneuerbaren Energieträgern (diese produzieren nur, wenn die Umweltbedingungen wie Sonne, Wind, Wasser dies zulassen) wird aber zu schwankenden Strompreisen im Tages-/Wochen- und Jahresverlauf führen. Dies können wir mit einer flexiblen Anlagenfahrweise nutzen und vor allem dann Strom produzieren und verkaufen, wenn wir einen lukrativen Preis erzielen.

Welche Leistung haben die neuen Anlagen?

Die Wärmeleistung liegt bei etwa 75 MW. Das entspricht in etwa der Leistung einer unserer neueren Wirbelschichtkessel. Ein Reserveheizwerk mit ca. 80 MW steht als Spitzenlastanlage zur Verfügung.

Reicht die Wärmeleistung für die Zukunft?

Das ist auf Basis der vorhandenen Absatzprognosen ausreichend, um unserem Anspruch und den Vorgaben an eine hohe Versorgungssicherheit auch in Zukunft gerecht zu werden.

Ist die Versorgungssicherheit in irgendeiner Form gefährdet?

Nein. Die Fernwärme-Leistung im Heizkraftwerk wird zwar reduziert. Durch den Betrieb einer moderneren Anlage und durch die Automatisierung eines Reserveheizwerks verbleibt die Versorgungssicherheit aber auf dem gleichen, sehr hohen Niveau.

Durch die Verteilung auf verschiedene Energieträger und den flexibleren Einsatz der Reserveheizwerke werden wir unabhängiger. Erdgas ist wie Strom im "Großhandel" frei verfügbar, Ressourcen für die kommenden Jahre sind laut allgemeiner Kenntnis ausreichend vorhanden. Zudem werden weitere Vorkommen entdeckt und erschlossen.

An welchen Regelenergiemärkten wollen die Stadtwerke Flensburg teilnehmen?

Durch unsere Anbindung an das dänische und deutsche Stromnetz könnten wir an beiden Märkten teilnehmen.

Wie entwickelt sich der Wirkungsgrad?

Der Wirkungsgrad des bestehenden Kraftwerks soll sich insgesamt um 2 - 3 %-Punkte verbessern. Dazu sind Aktivitäten unabhängig vom Anlagenneubau geplant, die zu der weiteren Erhöhung des Wirkungsgrades führen. 

Im Einzelnen sind dies:

  • Optimierung der Ansaugluft für die Wirbelschichtkessel
  • Verbesserung der Einbindung des Wärmespeichers
  • Untersuchung, ob Brennwerttechnik installiert werden kann
  • Prüfung eines Absenken der Vor- und Rücklauftemperaturen

Wie entwickelt sich der Primärenergiefaktor? Was bedeutet das?

Der Primärenergiefaktor spiegelt das Verhältnis von eingesetzter Primärenergie zu abgegebener Wärme-Endenergie wieder. Dabei fließt nicht nur die Energieumwandlung, sondern auch der Transport der Energie zum Endkunden über das Leitungsnetz ein.

Je niedriger der Primärenergiefaktor ist, desto besser ist die Energieausnutzung. Durch die neue Kesselanlage wird der Primärenergiefaktor durch die höhere Stromproduktion sinken, d. h. die Energieausnutzung oder –effizienz wird steigen.

Umwelt

Werden andere Schadstoffe als bei der Kohle in den Abgasen durch das Erdgas emittiert?

Es werden keine anderen Luftschadstoffe durch die Erdgasverbrennung emittiert. Im Gegenteil: Vor allemdie Schwefeldioxid (SO2)- und Staubemissionen fallen weg.

Ist die neue Anlage besser oder schlechter für die Umwelt?

Die neue Anlage bietet aus Umweltsicht klare Vorteile und kann als Brückentechnologie zum CO2- neutralen Kraftwerk 2050 eingestuft werden.
So sinken bei gleicher Energieerzeugung die spezifischen CO2-Emissionen beim Einsatz von Erdgas im Vergleich zur Kohle um 40 %. Die Staub- und Schwefeldioxid-Emissionen gehen ebenfalls zurück.

Passt der neue Kessel zu greenco2ncept bzw. zum CO2-neutralen Kraftwerk 2050?

Ja, am CO2-neutralen Kraftwerk 2050 wird festgehalten. Die neue GuD-Anlage reduziert den CO2-Ausstoß und ist ein Zwischenschritt hin zur CO2-Neutralität.
Ein weiterer Schritt wäre z.B. der Einsatz von Biokohle, wenn die Technologie soweit ist und der Brennstoff wirtschaftlich zur Verfügung steht.

Welchen Einfluss hat die Entkopplung von Strom- und Wärmeproduktion auf unsere umweltschonende Erzeugung?

Wir produzieren weiter in umweltschonender Kraft-Wärme-Kopplung. Es ist keine Entkopplung von Strom- und Wärmeproduktion geplant, sondern der Wärmeerzeugung und der Wärmenutzung (Wärmespeicher). Lediglich zu Wärmespitzen wird reine Fernwärme erzeugt.

Die Umwelt profitiert von dem Maßnahmenpaket, das eine Wirkungsgradverbesserung und Reduzierung der spezifischen CO2-Emissionen mit sich bringt. Die Staub- und Schwefeldioxidemissionen werden ebenfalls sinken.

Kosten/wirtschaftliche Aspekte

Wie viel hat der neue Kessel gekostet?

Rund 128 Millionen Euro investierten die Stadtwerke Flensburg im Rahmen ihres Großprojekts "Kessel 12" in die Modernisierung und Erneuerung ihrer Erzeugungsanlagen.

Wie wurde der Kessel finanziert?

Dazu war  Fremdkapital notwendig, welches von verschiedenen beteiligten Fremdkapitalgebern bereitgestellt wurde.

Gab es einen Investor?

Nein, die Stadtwerke sind zu 100% kommunal und werden es auch zukünftig bleiben.

Wie lange betrug die Bauzeit?

Die Bauzeit betrug vier Jahre.

Erhielten wir eine Förderung? Wenn ja, welche?

Wir erhalten eine Förderung auf Basis des Gesetzes zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung.

Wie hoch ist die KWK-Förderung bzw. wie sieht die aus?

Diese hängt von der produzierten Strommenge ab und spielt einen erheblichen Anteil der Investitionen wieder ein. Die Förderhöhe beträgt 18 Euro pro MWh erzeugter elektrischer Arbeit über die ersten sechs Jahre.

Genehmigung

Wer hat den neuen Kessel genehmigt?

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Raumplanung (LLUR) in Flintbek bei Kiel als obere Immissionsschutzbehörde.

Welche Behörden waren eingebunden?

Die führende Behörde war das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Raumplanung. Diese beteiligte aus ihrer Sicht alle für das Verfahren relevanten Behörden und Organisationen:

  • Obere (LLUR) und oberste (Umweltministerium) Immissionsschutzbehörden des Landes Schleswig-Holstein mit ihren jeweiligen Abteilungen
  • staatliche Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord (Arbeitsschutz und Dampfkesselgenehmigung)
  • Stadt Flensburg mit der Wasser-, Altlasten-, Bau- und Umweltplanungsbehörde
  • Kreis Schleswig-Flensburg bei den Kreis betreffenden Angelegenheiten (Gasleitung durch das Kreisgebiet)
  • Alle unmittelbaren Nachbargemeinden auf deutscher und dänischer Seite

Wie lief das Genehmigungsverfahren ab?

Eine Kesselanlage ist eine genehmigungsbedürftige Anlage nach der 4. Bundes-Immissionsschutzverordnung.

Im Anhang 1 der Verordnung „Wärmeerzeugung, Bergbau, Energie“ werden unter dem Punkt 1.1 „die Anlagen zur Erzeugung von Strom, Dampf, Warmwasser, Prozesswärme oder erhitztem Abgas durch den Einsatz von Brennstoffen in einer Verbrennungseinrichtung (wie Kraftwerk, Heizkraftwerk, Heizwerk, Gasturbinenanlage, Verbrennungsmotoranlage, sonstige Feuerungsanlage), einschließlich zugehöriger Dampfkessel, mit einer Feuerungswärmeleistung von 50 Megawatt oder mehr“ geführt. 

Unsere Anlage ist eine Anlage der sogenannten Spalte I, die in einem förmlichen Genehmigungsverfahren nach § 10 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes genehmigt wurde. 

Die 9. Bundes-Immissionsschutzverordnung regelte das Verfahren.