Neue Strategie „Energie im Wandel – Kraft aus Kontinuität“ der Stadtwerke Flensburg:
Regionalität und Nachhaltigkeit
Flensburg. Nach fast zweijähriger Analyse, Bewertung und Diskussion steht die gemeinsam mit Aufsichtsrat, Gesellschafterversammlung und der Stadt Flensburg erarbeitete neue Strategie „Energie im Wandel – Kraft aus Kontinuität“ der Stadtwerke Flensburg. Die Stadtwerke Flensburg werden sich durch ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiges Wirtschaften dauerhaft als regionaler Energieversorger positionieren und ihr Profil dahingehend schärfen. Der Energieversorger aus dem Norden bleibt eine 100%ige Tochter der Stadt und wird außerdem einen umfangreichen Ökokatalog einhalten. Neben diesen beiden Pflichtzielen gibt es für weitere Ziele, die von der Gewinnerzielung und dem Substanzerhalt über den Erhalt von Arbeitsplätzen bis zum Angebot günstiger Preise für die Region reichen, eine definierte Priorisierung. Aufsichtsrat und Stadtwerke überprüfen jährlich die Strategie auf die Einhaltung der Kriterien. Alle fünf Jahre findet eine Neubewertung der Strategie statt.
Wesentliche Vorgabe der Strategie ist es, die Zukunftsfähigkeit der Stadtwerke Flensburg zu erhalten, zu verbessern, den Erhalt der Eigenständigkeit des kommunalen Unternehmens für die Bürger der Stadt Flensburg zu sichern und somit langfristig kommunaler Wertschöpfungspartner der Stadt Flensburg zu bleiben. Insgesamt befasst sich die strategische Neuausrichtung der Stadtwerke Flensburg schwerpunktmäßig mit drei Themenbereichen:
1. Überprüfung der Strategie,
2. Kosten- und Organisationsanalyse,
3. Bewertung der Beteiligungen.
Im Rahmen der künftigen strategischen Ausrichtung muss sich das Unternehmen im Marktumfeld des lokalen und deutschen Energiemarktes optimal positionieren. Basis für das zukünftige Handeln in diesem Umfeld ist der neue Zielkatalog. Dazu Maik Render, Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg: „Mit der neuen Strategie haben wir uns klar nachhaltig und regional ausgerichtet und erstmals von unserem Gesellschafter eine Rangfolge für die Einhaltung verschiedener Ziele erhalten. Im Vergleich zur bisherigen strategischen Ausrichtung der Stadtwerke, die alle Ziele gleichrangig bewertet hatte, wird es keine Zielkonflikte mehr geben. Nur so sind Ziele auch bei unterschiedlichen Marktbedingungen realistisch zu erreichen. Die Basis der Strategie stellen die beiden Pflichtziele dar. Die Stadtwerke sollen kommunal bleiben und einen Öko-Katalog einhalten“ Die fünf weiteren Zielvorgaben werden in Abhängigkeit von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfüllt. Diese Rangfolge ist eine entscheidende Neuerung.“
Die Kontrolle der Zielerreichung ist nach Rolf Helgert, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Flensburg, deutlich besser geregelt: „Die Einhaltung der Ziele wird jährlich in einem Strategie-Workshop mit Aufsichtsrat und Geschäftsleitung kontrolliert und dokumentiert. Dabei hilft den Beteiligten ein speziell entwickeltes Kennzahlenkonzept. So können Geschäftsleitung und Aufsichtsgremien anhand einer Ampel für jedes Ziel Abweichungen von der Zielvorgabe auf den ersten Blick erkennen. Rot heißt Ziel deutlich nicht erfüllt, gelb ist knapp daneben und bei grün ist alles wie gewünscht.“
Über die jährliche Strategieprüfung hinaus nehmen Aufsichtsrat, Gesellschafterversammlung und Geschäftsleitung alle fünf Jahre eine umfassende Strategieüberarbeitung vor.
Besonders wichtig ist Erika Vollmer, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und des Hauptausschusses der Ratsversammlung, dabei auch der Ablauf des Strategieprozesses: „Die Lokalpolitiker aus Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung haben zusammen mit der Stadt Flensburg, der Geschäftsführung und der Stadtwerke Flensburg in einem gemeinsamen Prozess eine neue Strategie für unseren Energieversorger vor Ort geschaffen. Wir stehen alle hinter dem Unternehmen und werden gemeinsam die neue strategische Ausrichtung nach außen und innen leben und vertreten.“
Auch der Oberbürgermeister der Stadt Flensburg, Simon Faber steht voll hinter der neuen Strategie: „Die Neuausrichtung ist eine klare und notwendige Kurskorrektur, bei der gleichzeitig die typischen Qualitäten der Flensburger Stadtwerke bestehen und sich weiterentwickeln werden. Ich bin sehr zufrieden damit, dass es in dieser Phase gelungen ist, zwischen Unternehmen, dem Aufsichtsrat und den Vertretern der Stadt einen breiten Konsens zu erzielen“, sagt Oberbürgermeister Simon Faber. „Die Strategie verbindet nachvollziehbar ökonomische und ökologische Ziele und stellt so sicher, dass Flensburg und die Region auch langfristig einen kompetenten Energieversorger haben werden, der die Energiewende voranbringt."
Im Detail beinhaltet die Strategie folgende Kernelemente:
Pflichtziel 1: Erhalt der Kommunalität
Die Stadtwerke Flensburg bleiben eine 100%ige Tochter der Stadt Flensburg und ein rein kommunales Unternehmen. Die Unzufriedenheit zahlreicher, ganz oder teilweise veräußerter Stadtwerke in Deutschland und der Trend zur Rekommunalisierung bestätigen, dass die Stadt Flensburg mit dieser Entscheidung richtig liegt. So bleibt der Flensburger Energieversorger unabhängig in seiner Entscheidungsfreiheit. Ein ausgewogener, langfristiger Zielmix aus Regionalität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit steht hier klar vor kurzfristiger Gewinnmaximierung.
Pflichtziel 2: Einhaltung eines Öko-Katalogs
In der Präambel des Ökokatalogs steht, dass sich die Stadtwerke Flensburg verpflichten, stets auf eine ökologische Nachhaltigkeit ihres Handelns und ihrer Entscheidungen zu achten.
Die Anforderungen an die Erzeugung lauten:
- keine Atomstrom-Beteiligungen
- Keine Erzeugungsanlagen mit einem Wirkungsgrad
unter 50%*
- Keine reinen Kohlekraftwerke (nur Strom)*
- keine Reduzierung des standortübergreifenden
CO2-neutralen Erzeugungsanteils
- Erzeugung von Transparenz über
die tatsächlichen Schadstoffwerte der Erzeugungsanlagen (Online-Veröffentlichung)
* betrifft nur Neuentscheidungen
Produkt-Ausrichtung:
Es wird immer ein ökologisches Stromprodukt für Endkunden angeboten. Dabei darf ein höherer Strompreis maximal die Mehrkosten für die ökologische Komponente enthalten.
Die fünf weiteren unten aufgeführten priorisierten Ziele sind in Abhängigkeit von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einzuhalten. Solange sich der Markt in einem „normalen“ Bereich bewegt und keine unvorhergesehen Ereignisse eintreten, sollen aber alle Ziele erfüllbar sein.
Priorität 1: Gewinnerzielung im Zielkorridor
Die Stadtwerke Flensburg sollen eine marktübliche Verzinsung für die Stadt Flensburg auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften. Die Rendite wird auf 8% des bilanziellen Eigenkapitals der Stadtwerke festgelegt (Eigenkapitalrendite). Die Stadt Flensburg verzichtet ab 2012 auf die in den Vorjahren geforderte garantierte Basisgewinnausschüttung von 3 Millionen Euro.
Priorität 2: Schaffung und Erhaltung einer wirtschaftlich erforderlichen Substanz
Die Stadtwerke Flensburg investieren gezielt und bedarfsgerecht in ihre Anlagen, um deren Wert zu erhalten bzw. auf ein erforderliches Maß auszubauen.
Priorität 3: Hochwertige und attraktive Arbeitsplätze
Die Stadtwerke Flensburg werden ihrer Verantwortung als einer der größten Arbeitgeber der Region auch zukünftig gerecht. Das Unternehmen hält die aktuelle Mitarbeiterzahl konstant und verzichtet auf betriebsbedingte Kündigungen. Darüber hinaus bleiben die Stadtwerke Flensburg ein Unternehmen mit hoher Ausbildungsquote, das jungen Menschen eine sichere und fundierte Ausbildung bietet.
Priorität 4: Zusätzliche wirtschaftlich sinnvolle und technisch machbare Öko-Maßnahmen
Über den ökologischen Pflichtkatalog hinaus werden die Stadtwerke sich aktiv in der Suche, Entwicklung und Realisierung weiterer ökologischer Projekte engagieren. Neben dem Ziel der Absenkung von CO2-Emissionen und Schadstoffen besteht im Bereich der Energieeffizienz eine große Chance für den Flensburger Energieversorger.
Priorität 5: Günstige Preise für die Region
Die Stadtwerke Flensburg tragen mit ihrer Kundendichte in der Wasser- und Fernwärmeversorgung der Flensburger Bürger eine große soziale Verantwortung. Dieser Verantwortung sollen die Stadtwerke durch insgesamt günstige Preise Rechnung tragen. So ist für die Fernwärme - trotz hoher anstehender Investitionen in Fernwärmenetze und Erzeugungsanlagen und trotz der Konzessionsabgabe - ein durchschnittlicher Preis vorgesehen, der mindestens 5% unterhalb vergleichbarer Fernwärmeversorger Deutschlands liegen soll. Für die städtische Wasserversorgung wird ein Preis im Bereich des Marktdurchschnitts angeboten.
Aus den beiden weiteren Schwerpunkten der Stadtwerke-Neuausrichtung „Kosten- und Organisationsanalyse“ und „Beteiligungsbewertung“ hat das Unternehmen bereits einige Vorgaben umgesetzt. So haben die Stadtwerke ihre Geschäftsbereiche mit den zugehörigen Abteilungen neu strukturiert und angepasst.
Alle vorhandenen Beteiligungen sind hinsichtlich Ihrer Rentabilität zu überprüfen. Als Ergebnis führen die Stadtwerke erfolgreiche Engagements weiter. Im Gegenzug müssen nicht lukrative Geschäfte aber auch beendet werden.
Für die ersten Aktionen im Beteiligungsgeschäft steht der Verkauf der Ventspils Energo, die Entscheidung zum Ausstieg aus dem Trianel-Projekt Kohlekraftwerk Krefeld und die Re-Integrationen der 100% Tochtergesellschaften semeco und der SWF Energie Services GmbH zurück zur Stadtwerke-Mutter.
Grundlage des gesamten Strategieprozess ist der Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 17. November 2009. Dieses Organ der Stadtwerke, das mit Lokalpolitikern besetzt ist, hatte den Oberbürgermeister damals beauftragt, ein externes Gutachten zur Beschreibung, Analyse und Bewertung der bisherigen Strategie „Stadtwerke der Zukunft 2012“ zu erstellen. Dieses Gutachten wurde von der Unternehmensberatung C 1 Conexus erstellt.
Auf Basis dieses Papiers hat in den Jahren 2010 und 2011 eine gemeinsame parteiübergreifende Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Stadtwerke-Aufsichtsrates, der Gesellschafterversammlung, der Stadt Flensburg und der Geschäftsführung, die strategische Ausrichtung der Stadtwerke Flensburg geprüft, neu bewertet und entworfen. Den gesamten Prozess hat die Unternehmensberatung C 1 Conexus begleitet und unterstützt.
Nach Vorstellung des Gutachtens der Unternehmensberatung, zahlreichen Sitzungen und einigen Zwischenergebnissen hat die Arbeitsgruppe am 24. Juni 2011 die Entwicklung der strategischen Neuausrichtung der Stadtwerke abgeschlossen. Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung stimmten einstimmig am 16. August 2011 zu – die Entscheidungen im Hauptausschuss und in der Ratsversammlung sollen kurzfristig getroffen werden.


