
BU: 80 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaften besuchten das 4. Energieforum der Stadtwerke Flensburg am 29. April 2010 in der IHK Flensburg. Am Podium diskutierten (v.l.): Matthias Günther, Geschäftsführer des Eduard Pestel Instituts in Hannover, Moderator Ulrich Spitzer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg, Matthias Wolfskeil, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Flensburg und Dr. Gustav W. Sauer, Abteilungsleiter „Technologie und Energie“ aus dem Kieler Wirtschaftsministerium. Foto: Stadtwerke Flensburg
4. Flensburger Energieforum der Stadtwerke Flensburg – Energiepolitik, erneuerbare Energien und Bevölkerungsprognosen
30.04.10 | Flensburg. Energie- und Umweltthemen haben nach dem Klimagipfel von Kopenhagen noch an Bedeutung gewonnen – weltweit, regional und lokal. Dies wurde auch beim 4. Energieforum der Stadtwerke Flensburg am 29. April 2010 in den Räumen der IHK Flensburg deutlich. Mehr als 80 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten mit den Referenten über die Energiepolitik der CDU-FDP-Regierungskoalition in Kiel, wie die erneuerbaren Energien die Strategie der Stadtwerke Flensburg beflügeln und über aktuelle Fernwärme- und Bevölkerungs-Prognosen des Eduard Pestel Instituts für die Region Flensburg bis 2050.
„Die Energieversorgung der Haushalte und Unternehmen in Schleswig-Holstein soll in Zukunft gleichermaßen zuverlässig, klimafreundlich und bezahlbar sein“, sagte Ministerialdirigent Dr. Gustav W. Sauer, Abteilungsleiter „Technologie und Energie“ aus dem Kieler Wirtschaftsministerium, im ersten Vortrag des Abends. Dieses Ende März verabschiedete „Energiekonzept der Landesregierung“ seien die Leitlinien der Kieler Landesregierung für die kommenden zehn Jahre. Um die Klimaschutzziele und die Verminderung von Treibhausgasen und CO2-Emissionen zu erreichen, sollen die erneuerbaren Energien ausgebaut und die konventionellen Kraftwerke (Kernkraft, Öl, Kohle) optimiert und als Brückentechnologien fungieren, bis auf sie verlässlich verzichtet werden kann. Bis 2020 soll vor allem aus Windenergie, aber auch Biomasse bereits rechnerisch als „Stromäquivalent“ mehr Strom erzeugt werden, als dann im Lande verbraucht wird. Zwei Drittel des erzeugten Stroms werden dann exportiert werden, Schleswig-Holstein soll und müsse Strom-Exportland bleiben. Daneben stünden sechs weitere Ziele im Mittelpunkt der Energie-Strategie, nämlich Energie-Einsparungen und Effizienzsteigerungen, Förderung eines ausgewogenen und Preis dämpfenden Energiemix, rascher Ausbau leistungsstarker Netze, Förderung des Wettbewerbs auf den Energiemärkten, Sicherung der Energieversorgung durch zuverlässige Energieaufsicht und Entwicklung innovativer Technologien im Energiesektor.
Matthias Wolfskeil, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Flensburg, stellte in seinem Beitrag die Einbeziehung der erneuerbaren Energien in die langfristige Strategie seines Unternehmens in den Mittelpunkt. Er schilderte, wie sich die Stadtwerke zum Spezialisten für Kraft-Wärme-Kopplung und zum bundesweit anbietenden Stromlieferanten entwickelt hat, erläuterte das Flensburger Energiekonzept mit seinem einzigartigen Fernwärmenetz mit einer (welt)-rekordverdächtigen Anschlussdichte von 98 Prozent und beschrieb, wie mit Hilfe des „greenco2ncepts“ das Heizkraftwerk Flensburg mittel- und langfristig durch vermehrten Einsatz von Ersatzbrennstoffen und Holzhackschnitzeln zum CO2-neutralen Kraftwerk umgebaut werden soll. Dieses Konzept passe auch sehr gut zu den Zielen des Ende 2008 gegründeten Vereins Klimapakt Flensburg, in dem sich viele wichtige Akteure der Fördestadt verabredet haben, Flensburg bis 2050 CO2-neutral zu stellen. „Wir werden weiterhin in Flensburg bei Fernwärme, Strom, Wasser und Industriegas verlässlicher Partner bleiben, bauen aber auch durch Kooperationen mit anderen Anbietern und Partnern, vor allem im Bereich erneuerbarer Energien, unsere Wachstums- und Marktpositionen aus“, umriss Wolfskeil die mittel- und langfristigen Ziele. Als jüngste Beispiele nannte er den Umbau des Öko-Heizwerks Langballig zum Holzheizkraftwerk, das in Kraftwärmekopplung seit Anfang des Jahres neben Wärme nun auch Ökostrom liefert. In Schuby entsteht in diesem Jahr eine neuartige Biogasanlage, die mit Zuckerrüben betrieben wird. In Süderbrarup und Tarp entstehen Nahwärmenetze auf der Basis von Biogas- und Biomasse.
Wie entwickelt sich die Bevölkerung in Deutschland, Schleswig-Holstein und in Flensburg bis 2050 und welche Perspektive hat die Fernwärme in der Region Flensburg langfristig? Darauf ging Matthias Günther, Geschäftsführer des Eduard Pestel Instituts in Hannover, in seinem Vortrag ein. Eine Ausweitung des Wärmenetzes über Flensburg hinaus sei nur bedingt möglich und bei der hohen Anschlussdichte kaum gegeben. Daher sei die Stadtwerke-Strategie, sich außerhalb von Flensburg an Kraftwerken oder dezentralen Energieerzeugungsanlagen zu beteiligen und energienahe Wachstumsfelder zu suchen, richtig. Langfristig sei bis 2050 trotz gleichbleibender Bevölkerungszahl, mehr und größeren Wohneinheiten mit einem Rückgang des Fernwärmeabsatzes zu rechnen. Dies habe auch mit der europäischen und deutschen Bau- und Umwelt-Gesetzgebung sowie dementsprechenden Entwicklungen hin zu Niedrig- oder Nullenergiehäusern zu tun. Die klimapolitische Absicht, insgesamt zunehmend mehr Energie einzusparen, werde sich ebenfalls auswirken. Dennoch müssten bei der Beurteilung der Eintrittswahrscheinlichkeit der Prognosen, wie bei allen Langzeitstudien, Unwägbarkeiten einbezogen werden, so Günther. Die günstigste Erwartung gehe von einem etwa gleichbleibenden Fernwärmeabsatz bis 2050 aus, die ungünstigste Variante von einem 50-prozentigen Rückgang.
In der anschließenden Podiumsdiskussion, die Ulrich Spitzer, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg, moderierte, wurden die Themen des Abends von den Referenten und Gästen aufgegriffen und vertieft.
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Die Stadtwerke Flensburg GmbH
Die Stadtwerke Flensburg bieten als innovativer und umweltbewusster Energieversorger Strom, Fernwärme, Wasser und Industriegas in der Region Flensburg an (63.000 Stromkunden, 98 % Anschlussdichte in der Fernwärme). Bundesweit werden für die Stromprodukte Flensburg eXtra und Flensburg eXtra öko sowie Volt+Wald zahlreiche neue Privatkunden geworben (inzwischen mehr als 71.000). Geschäftskunden in ganz Deutschland schneidert der Energieversorger von der Flensburger Förde individuelle Lösungen für die Energieversorgung. Neben den Standardprodukten reicht das Portfolio von maßgeschneiderten Lösungen für Filialunternehmen über börsenindizierte Strompreise bis hin zu saisonabhängigen Angeboten.
Mit 209 Mio. Euro Umsatz in 2008 in der GmbH, 224 Mio. Euro im Konzern und 2009 jahresdurchschnittlich 688 Mitarbeitern (davon 58 Auszubildende) – im Konzern waren es 1.020, davon 74 Auszubildende – hat sich die Stadtwerke Flensburg GmbH gut am Markt etabliert. In Schleswig-Holstein zählt der Energieversorger zu den 50 größten Arbeitgebern. Darüber hinaus ist der Anbieter aus dem hohen Norden einer der größten und preisgünstigsten Fernwärmeversorger Deutschlands. Strom und Wärme werden umweltschonend per Kraft-Wärme-Kopplung in einem eigenen Heizkraftwerk an der Flensburger Förde erzeugt.
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